Autor: Joke

  • Wuchtstrom

    Wuchtstrom

    Für mich ist Land Art eine Arbeit, die nur aus natürlichen, vor Ort vorhandenen Materialien besteht, ohne etwas hinzuzufügen – keine Seile, Schrauben oder ähnliches. Ich schaue mir an, was an einem Ort vorhanden ist, und versuche, es zu verbessern. Diese Spur aus Baumstämmen fließt, ja stürzt, mit Wucht den steilen Hang hinunter, mitten durch die Wanderwege, direkt zur Quelle.Danke an Olivier, Huub, Jan, Joop, Ron und Ton für ihre unverzichtbare Muskelkraft!

    Mattanja Coehoorn, geboren 1965 in den Niederlanden, studierte Biologie an der Universität Wageningen. Nach einer Karriere als Werbetexterin im Bereich Energie/Umwelt zog sie 1998 nach Maastricht, wo sie an der Akademie der Bildenden Künste den Studiengang Autonome Textilien absolvierte. Neben ihren autonomen Arbeiten fertigt sie auch viele angewandte Arbeiten an, insbesondere die Neugestaltung von Stühlen. Ihre Arbeiten werden regelmäßig ausgestellt und von Privatpersonen und Unternehmen erworben.Mattanja fertigt ihre Objekte hauptsächlich aus Naturmaterialien, die sie sorgfältig mit textilen Techniken bearbeitet. Fließende Übergänge spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Arbeiten sind biegsam, weich und zerbrechlich, gleichzeitig aber auch groß, monumental und kraftvoll. Sie scheinen mit der Erde und dem Universum, der Vergangenheit und der Zukunft, den Vorfahren und der Nachwelt verbunden zu sein, basierend auf der Idee: Alles ist schon da und wird ständig neu arrangiert, endlos, zeitlos.

    www.mattanjacoehoorn.nl

  • Natur-Kultur

    Natur-Kultur

    Mit roten Stoffbahnen, gespannt in den Fensterbögen des kirchlichen Kreuzgangs der Stiftskirche Kyllburg, schafft Marie Senftleben-Gudrich in ihrer Arbeit ‚Natur — Kultur‘ einen gewollten Kontrast.Der historische Raum tritt in eine stille Zwiesprache mit der signalstarken, roten Farbe des Tuchs, welches die Zwischenräume des Gemäuers betont und als Leerstellen sichtbar werden lässt.Auch in ihrer zweiten Arbeit ‚Natur — Kultur‘ tritt die Farbe Rot als zentrales Element auf, dieses Mal als Füllstoff einer alternden Mauer am Wegesrand. Und wiederum lässt das Material die Zwischenräume im Bauwerk, als Sinnbild des Wandels, erkennbar werden.Marie Senftleben-Gudrich stellt in beiden Arbeiten die Frage nach Vergangenem und Gegenwärtigem, danach was einst war und was heute bleibt. In ihrer ästhetischen Intervention macht sie räumliche und zeitliche Grenzen erfahrbar und thematisiert zugleich deren Auflösung im Wandel der Zeit. Die rote Farbe des Tuchs durchdringt, einer Lebensader gleich, die alten Gemäuer und verleiht diesen eine neue Lebendigkeit. Senftleben-Gudrichs Arbeiten dienen damit nicht allein der bloßen Sichtbarmachung, sondern führen das Alte zugleich einer neuen Sinnhaftigkeit zu. So regt die Künstlerin nicht zuletzt auch zur Reflexion über den eigenen Umgang mit der Natur und der Kulturgeschichte an.

    Ihr Lebensweg führte Marie Senftleben-Gudrich über eine erste Ausbildung zur Goldschmiedin, ein Kunststudium in Schweden und England und viele weitere Auslandsaufenthalte auch zur Psychotherapie. Ihren Hintergrund als Familien- und systemische Therapeutin verbindet sie heute mit ihrer Leidenschaft für die Keramik und die Kunst. Seit 2017 ist sie als erste Vorsitzende und Geschäftsführerin des again speicher e.V. eine der treibenden Kräfte hinter dem jungen Kulturverein in der Verbandsgemeinde Speicher.

    Marie Senftleben-Gudrich fasziniert das Wesen der Dinge, ihre Geschichte und der ästhetische Reiz des Materials. In ihren Werken verarbeitet sie häufig Gefundenes und Gesammeltes in experimentierfreudigen Materialkombinationen. Über die ungewohnte Inszenierung von Strukturen und Formen führt sie Vorhandenes neuen Zusammenhängen und Bedeutungsebenen zu. Das Verhältnis von Natur und Kultur ist eines der zentralen Themen ihrer künstlerischen Arbeit.In der Auseinandersetzung mit Aspekten des Wandels und der Vergänglichkeit stellt sie die Frage nach dem bewussten Umgang mit Ressourcen und unserer Kulturgeschichte.ird. Für seine Lesung erhielt er 2013 den renommierten Cornelius-Meiselter-Literaturpreis.

  • Fruchtkörper

    Fruchtkörper

    Der Herbst 2022 war ein sogenanntes Mastjahr. Die Bäume reagierten mit einer Überproduktion von Samen, um ihre Art zu erhalten. Eine noch weitgehend unerforschte klimabedingte „Panikreaktion“, die den Baum viel Energie kostet. Vor allem die Eiche hat im vergangenen Jahr eine unglaubliche Fülle an Früchten hervorgebracht. Jede Eichel hat einen Hut. Diese Kapseln als Überbleibsel der Ernte in Verbindung mit dem ewig wiederverwendbaren Lehm bilden die Grundlage und Inspiration für dieses Werk. Ein Werk, das aus der Natur geschaffen wurde und im Laufe der Zeit wieder mit ihr verschmilzt. So soll für den Besucher ein Erlebnis geschaffen werden, das seine Aufmerksamkeit für die Welt um ihn herum erweitert.

    Lucia Keidels Arbeit nimmt uns mit auf eine sensible und poetische Reise, auf der die Realität abstrakt und die Abstraktion real wird. Als interdisziplinäre Künstlerin sensibilisiert sie sich durch genaue Beobachtung, Feldforschung und Recherche für ihre Umwelt. Durch ihre Werke macht sie erfahrbar, was es bedeutet, mit der Natur und als Teil von ihr zu leben, denn wir müssen wahrnehmen, was die Erde uns sagt.Mit einem Hintergrund in bildender Kunst und Erfahrung im Bühnenbild sowie in der konstruktiven und skulpturalen Arbeit mit Ton schließt sie gerade ihr Studium der Interdisziplinären Künste in Maastricht ab.In ihren performativen Arbeiten arbeitet sie mit Film, Ton, Bewegung und den taktilen Eigenschaften organischer Materialien. Sowohl der Entstehungsprozess als auch das Ergebnis beziehen sich auf die aktuellen Gegebenheiten der Umwelt und auf ihre eigene Wahrnehmung sinnlicher Erfahrungen. Durch diese Art des Erforschens entsteht ein Sensibilisierungs- und Lernprozess, der zu einem sich ständig weiterentwickelnden Ergebnis führt.

  • Ursprung

    Ursprung

    Für Hedi Schon ist das Thema „Fülle“ eng mit einem intakten Kreislauf verbunden. Die Natur kann nur dann Fülle hervorbringen, wenn alle notwendigen Komponenten ausreichend und gesund vorhanden sind. Wasser ist ein zentraler Bestandteil der Natur.Die Glasinstallation zeigt den Weg des Regenwassers von der Dachrinne bis zur Zisterne.

    Hedi Schon wurde in Kyllburg geboren und wuchs in Bruderholz auf. Sie hat eine ganz besondere Beziehung zu Kyllburg, zum Stadtpark Hahn und insbesondere zur Stiftskirche.Das Thema Landart fasziniert sie, insbesondere im Hinblick auf Umwelt- und Naturschutz. Als Allroundkünstlerin mit besonderen Fähigkeiten als Glaskünstlerin arbeitet sie gerne mit den unterschiedlichsten Materialien.

    … lässt der Fantasie Spielraum und fordert den Betrachter, den eigenen inneren Bildern und Prozessen zu folgen und sich (damit) auseinanderzusetzen.

  • Papaver occidentale

    Papaver occidentale

    Diese Arbeit lehnt sich stark an das ausgeschriebene Thema „Fülle“ an; es weckt die Assoziation zur römischen Göttin Ceres bzw. ihrer griechischen Entsprechung Demeter als Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit. Ihr Attribut ist die Mohnkapsel. Diese wird häufig als Element der Kopfbedeckung von Ceres und Demeter verwendet.Die Mohnkapsel verkörpert in besonderer Weise das Thema „Fülle“. Die Mohnkapsel, die durch ihre auffällige und formschöne Fruchthülle fasziniert, verkörpert mit ihren unzähligen winzigen Samenkörnern das Thema „Fülle“ in besonders anschaulicher Weise.Ausgehend von dieser Inspiration wird der Lebenszyklus der Mohnpflanze – von der Knospe über die sich öffnende Blüte bis hin zur voll erblühten Pflanze und der reifen Mohnkapsel – in überdimensionaler Größe plastisch dargestellt. [P] Dorothée Bores, geboren in Trier, aufgewachsen in Kyllburg und St. Thomas. Studium in Kaiserslautern, Mainz und Heidelberg. Magister und Promotion in Buchwissenschaft mit den Nebenfächern Germanistik und Kunstgeschichte. Danach freiberufliche Tätigkeit als Autorin und Herausgeberin, vor allem im Bereich Buchgestaltung und Illustration. Bei aller „Theorie“ hat sie die praktische Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst nie losgelassen. Und so ist es vielleicht nur folgerichtig, dass ihr Lebensweg sie mit der Annahme einer Stelle als Lehrerin wieder zurück in die künstlerische Praxis geführt hat. Seit 2019 unterrichtet sie mit großer Freude das Fach Bildende Kunst am PWG Wittlich und widmet sich auch in ihrer Freizeit dem künstlerischen Schaffen. Im vergangenen Jahr nahm sie mit einigen plastischen Arbeiten an der Gemeinschaftsausstellung „Bürgerkirche St. Gangolf“

  • Gespräch unter Bäumen

    Gespräch unter Bäumen

    Für Dagmar Engels ist der Pilz im herbstlichen Wald Symbol und Sinnbild zugleich.Als Fruchtkörper markiert er den Ausgangspunkt für die Fortpflanzung (Pilzsporen) des Lebens. Er dient den Lebewesen als Nahrung. Er ist Medium der Kommunikation (Sprache der Bäume). Umgangssprachlich wird nur der oberirdische Fruchtkörper als Pilz bezeichnet. Der eigentliche Pilz ist jedoch das für das Auge unsichtbare, aus Hyphen bestehende Myzel, ein Lebewesen, das Tausende von Jahren alt werden und riesige Ausmaße annehmen kann. Der gesamte Waldboden ist davon durchzogen. Über das Pilzmyzel stehen die einzelnen Bäume miteinander in Kontakt. Es werden Stoffe ausgetauscht und Informationen weitergegeben. Bäume kommunizieren.Die Installation aus abstrahierten Pilzformen will dies für den Betrachter erfahrbar machen. So entsteht ein Modell für die Sprache der Bäume. Die Veränderung im Laufe der Zeit durch äußere Einflüsse ist gewollt und Teil des Konzeptes. So wird der Alterungsprozess visualisiert.

    Dagmar Engels, Jahrgang 1957, lebt und arbeitet seit 1999 im Künstleratelier AAK 1 in Eckfeld bei Wittlich.Nach beruflicher Tätigkeit an verschiedenen Orten (München, Hamburg, Kopenhagen, Frankfurt) und einem Designstudium an der Fachhochschule Trier konzentrierte sie sich auf ihre künstlerische Arbeit.Schwerpunkte bilden die abstrakte Malerei, sowie dreidimensionale Arbeiten und Installationen.Thema ist die Visualisierung von abstrakten Landschaften und Räumen, in denen der Betrachter Kreaturen und Fantasiewelten entdecken kann.Ausstellungstätigkeit seit 2014, Vorstandsmitglied im Kultur- und Kunstverein Trier e.V.

  • …Stehen und liegen gelassen…

    …Stehen und liegen gelassen…

    Aus Sandsteinen, Baumstämmen und Ästen, gefunden und gesammelt auf und um den Stiftsberg, wurden mehrere Skulpturen, die Spaten und Rechen darstellen, geschaffen. Ihre Größe variiert von ganz groß bis ganz klein und sie fügen sich in die Landschaft ein.Dem Betrachtenden begegnen diesen Objekte wie zufällig. Es sind typische Werkzeuge, wie aus den aktiven Tagen der Gärtnerei, die achtlos stehen und liegen gelassen wurden.Erinnerungen an den Gartenbau und die Landwirtschaft werden so bei den Vorbeigehenden geweckt und eigene Bezüge können hergestellt werden.

    Die Diplom-Bildhauerin und Kulturpädagogin Christine Nicolay ist Dozentin, freischaffende Künstlerin und unterhält in Greimerath einen privaten Skulpturengarten. Dort ist auch ihr Atelier. Hier begleitet und unterstützt sie Trauernde, die für ihre Verstorbenen selbst ein Grabmal gestalten möchten.  (vom Weg aus gesehen) genau im Norden liegt, dort, wo Ende und Neuanfang, das Ewige, zusammenkommen und verschmelzen.

  • Carousel of Time

    Carousel of Time

    Natur und Kunst sehen und hören

    Mobiles in den Zweigen der Bäume. Sie sprechen zwei Sinne an: das Sehen und das Hören. Die Tonfiguren aus dem Atelier, figurativ bemalt, die die niederländische Künstlerin Bien van Heek zur Kunstroute Kyllburg 2024 in die Zweige hängt, klingen wenn der Wind sie bewegt. Van Heek zeigte sich beeindruckt von der Dimensionalität der hochaufgeschossenen Bäume auf dem „Hahn“. Lange musste sie nach einem geeigneten Platz suchen, um horizontale Äste zu finden, die sich für die Hängung ihres Werkes „Carousel of Time“ anboten. Die einzelnen Formen nennt die Künstlerin „Kreaturen“, als eine Art Symbiose aus Mensch und Tier. Sie schreibt: „Sie symbolisieren die Hoffnung auf natürliche Zusammenarbeit, den richtigen Weg, den Menschen und Tiere gehen müssen, um diesen Planeten lebenswert zu machen oder zu halten.“Die Kuratoren: „Die Mobiles haben eine hohe Passung mit dem Anspruch der Kunstroute, Natur und Kunst in Einklang zu bringen und den Weg dorthin immer zu hinterfragen und neu zu wagen.“Bien van Heek studierte an der Ecole Superior des Beaux Arts d’Aix en Provence und der Gerrit-Rietveld-Akademie Amsterdam. Zu Ihrer künstlerischen Arbeit sagt die Künstlerin: „Meine Werke entstehen wie Träume in der Nacht aus Ereignissen am Tag. Es formt sich in Ton, in Farbe, in Schrift wie eine ständige Suche nach der unerklärlichen Richtigkeit der Dinge.“

  • Die Dryade

    Die Dryade

    „Die Dryade“ lasst Grenzen verschwimmen

    Elisabeth Hatscher bringt das Material Filz als Rohwolle mit auf den „Hahn“ und nennt ihr Objekt „Die Dryade“, das die Besucher:innen zum Staunen bringt.„Die Dryade“ stammt aus der Welt der Fantasie. Hatscher gibt ihr die Bezeichnung „mysteriöser Naturgeist“ und verwurzelt sie in die Tradition der griechischen Mythologie der Baumnymphen. Die Besucher:innen der Kunstroute sollen frei assoziieren, wenn sie der „Dryade“ begegnen, sich individuelle Geschichten oder Erlebnisse ausdenken. Dabei lässt das Licht, der Schatten im Wald oder das Wetter „Die Dryade“ in ihren warmen Erdtönen farbig changieren.Die Künstlerin: „Das Filzobjekt lässt die Grenzen zwischen Mensch und Tier, Realität und Mythos verschwimmen.“Die Kuratoren: „Der Ansatz von Hatscher, Kultur als Fenster zur ‚Natur‘ zu definieren und zu erforschen, welchen Einfluss Kultur auf die Wahrnehmung der ‚Natur‘ hat, ist sehr überzeugend.“Hatscher studierte freie bildende Kunst an der Städelschule in Frankfurt am Main und war Meisterschülerin von Christa Näher. Sie lebt und arbeitet in Diefenbach.

    „Die Dryade“
    In Erinnerung an meinen langjährigen Spaziergefährten Blacky (2010-2023).
    Der Herbst hatte den Wald in ein Farbenmeer aus Rot-, Orange- und Gelbtönen getaucht. Doch an diesem Tag war die Sonne vom dichten Nebel verschluckt worden, der die Landschaft in ein undurchdringliches Grau tauchte, in dem die Farbenpracht verstummte. Die Blätter knisterten leise unter meinen Wanderschuhen, als ich mich mit meinem treuen Begleiter Blacky, einem schwarzen Schäferhund, auf unseren Spaziergang machte. Der Nebel hing schwer über dem Boden, sodass die Sicht kaum mehr als anderthalb Meter betrug. Um sicherzugehen, dass Blacky nicht zu weit vorauslief und außerhalb meiner Reichweite geriet, hatte ich ihn an eine kurze Leine genommen.
    Die Stille des Waldes war beinahe greifbar. Kein Rascheln der Blätter, kein Vogelgesang, nicht einmal ein Hauch von Wind, der durch die Baumwipfel strich. Nur das gedämpfte Geräusch unserer Schritte durchdrang die Stille. Es fühlte sich an, als wäre ich gefangen in einem stillen, nebligen Traum. Plötzlich spürte ich, wie Blacky sich an der Leine zurückzog und zu mir eilte. Das war ungewöhnlich für ihn, normalerweise zog er mich energisch durch den Wald, ohne auf meine Aufforderungen zu achten. Sein Knurren klang tief und bedrohlich, und ich spürte, wie sich meine Nackenhaare aufstellten. Etwas
    Unbekanntes lauerte da draußen im Nebel. Ich nahm die Leine noch kürzer und flüsterte beruhigende Worte. Mein Herz begann schneller zu schlagen, als ich mich vorsichtig vorwärts bewegte. Und dann, aus der undurchdringlichen Nebelwand, tauchte es auf: ein Wesen, das jede Vorstellungskraft sprengte. Es war groß, mindestens zwei Meter hoch, und hatte eine Gestalt, die weder Mensch noch Tier zuzuordnen war. Sein Körper war von dichtem Fell bedeckt, und sein Gesicht blieb verborgen. Eine Mischung aus Ehrfurcht und Furcht überkam mich, als ich das Wesen anstarrte. Die Erscheinung bewegte sich langsam auf uns zu, und ich spürte, wie Blacky sich noch enger an mich
    presste, sein Knurren verstummte. Das Wesen strahlte eine seltsame Ruhe aus. Es sprach nicht, doch ich konnte eine unerklärliche Verbindung zu der uralten Magie des Waldes spüren. Die Zeit schien stillzustehen, während das Wesen und ich uns in einem stummen Dialog befanden. Nach einer zeitlosen Weile wandte sich das Wesen ab und verschwand wieder in den Nebelschwaden, so leise und geheimnisvoll, wie es aufgetaucht war. Blacky entspannte sich, und auch ich fühlte eine innere Ruhe. Es war, als hätte uns das Wesen seinen Segen gegeben. Wir setzten unseren Spaziergang fort, die Welt um uns herum noch immer von Nebel umhüllt. Doch dieser Nebel war nun mehr als nur ein meteorologisches Phänomen – er war ein Teil des mystischen Waldes geworden, ein Zeuge unserer Begegnung mit dem unbekannten Wesen. Ich wusste, dass ich diese Geschichte niemandem erzählen konnte, ohne für verrückt gehalten zu werden. Aber tief in meinem Herzen spürte ich, dass sie real war. An diesem Herbstnachmittag hatte ich nicht nur einen Spaziergang mit meinem Hund gemacht. Ich hatte eine Verbindung zum Geheimnis des Waldes erlebt, zu einer Welt jenseits unserer orstellungskraft. Und in dieser Welt würde ich immer einen besonderen Platz für das Waldwesen haben, das uns inmitten des Nebels begegnet war.
    Elisabeth Hatscher 2024


     

  • Circle Games

    Circle Games

    Ein Komplexer Weg zum paradies

    Christine Nicolay ist nicht zum ersten Mal als Künstlerin auf der Kunstroute Kyllburg aktiv. 2023 standen ihre Werke vor dem ehemaligen Stift auf dem Stiftsberg. In diesem Jahr wagt Nicolay den Schritt durch die hölzerne Tür und geht mit der Stiftskirche und dem Kreuzgang in einen künstlerischen Dialog.Den Kreuzgang deutet die Künstlerin als „die Erde als lebendiger Körper“.  Bezug nimmt Nicolay auf die zahlreichen Mariendarstellungen und die damit verbundene Andacht in der Pfarrkirche. Maria, so die Künstlerin, stehe für sie als „Muttergöttin“ für das weibliche Prinzip, „das uns vom ersten Augenblick begleitet“.Zu ihrer Arbeit schreibt die Künstlerin: „Meine Skulpturen haben sich an diese Urzustände erinnert und ließen sich davon anrühren. Es sind figurative/abstrakte Formen, Fundstücke, Texte, Grafiken, einer bildhauerischen Einkehr gleich. Ich durchschreite sie und kann dabei über meinen Lebensbogen, die Lebenskräfte und unser Dasein meditieren.“Das Kuratorenteam: „Nach der starken Arbeit vor den Toren des Kreuzganges freuen wir uns auf die meditativen Arbeiten von Christine Nicolay, die zudem unser Eröffnungsfestival bereichern werden.“Nicolay studierte Bildhauerei und Kulturpädagogik an der Alanus Hochschule. Sie lebt und arbeitet in Greimerath/Eifel und pflegt dort ihren Skulpturengarten.